In der Regel werden Gärprodukte auf hofnahen Flächen flüssig ausgebracht. Für viele Anlagenbetreiber ist dies die einfachste und kostengünstigste Methode, um den stofflichen Kreislauf wieder zu schließen und die Nährstoffe auf die Felder zurückzubringen. Landwirte wissen aus langjähriger Erfahrung um die Vorteile des nährstoffreichen und Humus bildenden Wirtschaftsdüngers. Durch die Vergärung sind die Nährstoffe für die Pflanzen besser verfügbar und ersetzen damit herkömmliche Mineraldünger, die mit hohem Energieaufwand hergestellt werden.
Bedarfsgerecht für Felder, Beete und Balkone
Doch damit nicht genug: Aus dem flüssigen Gärprodukt kann mittels neuer Aufbereitungsmethoden und -techniken noch Wertvolleres entstehen – dann nämlich, wenn das Flüssige vom Festen getrennt und die Feststoffe anschließend entweder kompostiert oder weiter getrocknet zu transportgünstigen Pellets verarbeitet werden; oder wenn der Flüssiganteil mit Technologien wie der Umkehrosmose und Ultrafiltration veredelt wird, sodass am Ende ein konzentrierter Flüssigdünger entsteht.
Um neue Absatzmärkte für aufbereitete Gärprodukte zu finden, müssen die Produkteigenschaften den Bedürfnissen der jeweiligen Abnehmer angepasst werden. Da sie noch sehr kostenintensiv sind, gibt es bislang nur wenige solcher Aufbereitungsanlagen. Trotzdem werden die verschiedenen Gärpro dukte in Zukunft ihre Abnehmer finden – ob nun im Erwerbsgartenbau, in der Landwirtschaft, als Torfersatz im Erdenwerk oder in pelletierter Form zum Einsatz auf Beeten und Balkonen für den Hobbygärtner.
Ebenso gibt es die Möglichkeit, das Gärprodukt mit Substanzen wie Biokohle zu einem hochwertigen Erdenprodukt aufzubereiten. Zur Herstellung bieten sich verschiedene Verfahren wie die Pyrolyse und die Hydrothermale Karbonisierung (HTC) an. Allerdings stehen auch diese Verfahrenstechniken noch am Anfang ihrer Entwicklung.
Wichtige Voraussetzung für eine auch wirtschaftlich lohnende Aufarbeitung der Gärprodukte ist ihre rechtlich einwandfreie Marktfähigkeit. Sie ist unter anderem gewährleistet, wenn die Gütezeichen »Gärprodukt« oder »NawaRo-Gärprodukt« von der Bundesgütegemeinschaft Kompost e. V. (BGK) vergeben worden sind. Um dieses Thema in einem rechtlich komplexen Umfeld weiter voranzubringen, hat der Fachverband Biogas zusammen mit der BGK die GüteGemeinschaft Gärprodukte e. V. (GGG) gegründet. Sie kümmert sich neben der allgemeinen Gütesicherung um neue Vermarktungsstrategien durch einheitliche Standards.
Neue Perspektiven – neue Wertschöpfung
Die Aufbereitung zu kostbaren Gärprodukten bietet der ganzen Biogasproduktion neue Perspektiven mit neuen Wertschöpfungsmöglichkeiten. Außerdem könnte dies gerade für Biogaserzeuger an Standorten mit hoher Viehdichte und düngerrechtlichen Engpässen eine interessante Alternative darstellen. Wenngleich in diesem Segment noch viele logistische und technische Herausforderungen liegen, bietet der Bonus für eine Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) einen wirtschaftlichen Anreiz, sich in diesem Bereich weiter zu engagieren. So wird auch im novellierten EEG, das Anfang Januar 2012 in Kraft getreten ist und von der Biogas-Branche eine bessere Wärmenutzung einfordert, die Trocknung von Gärprodukten zu wertvollen Düngemitteln als sinnvolle Wärmenutzung anerkannt. Daher besteht kein Zweifel daran, dass der Markt für aufbereitete und getrocknete Gärprodukte weiter wachsen wird. In ihren Eigenschaften stehen sie den herkömmlichen Düngemitteln in nichts nach.




