Herr Sorhage, Sie sind nicht nur Befürworter von Biogas, Sie profitieren als Dorfbewohner auch direkt durch seinen Einsatz zum Heizen von Wohnhäusern. Welche Erfahrungen haben Sie mit der Umstellung auf regenerative Wärme gemacht?
Sorhage Es war nie kalt, seitdem wir unsere Heizung auf Bioenergie umgestellt haben. Unsere Wärmeversorgung ist nicht nur klimaschonend und kostengünstig, sie ist auch verlässlich. Deshalb haben wir neben den Blockheizkraftwerken auch Ersatzbrenner installiert. Das ist natürlich eine Kostenfrage, aber Vertrauen und Verlässlichkeit sind unbezahlbar.
Sie standen zu Beginn des Prozesses recht allein da, Ihr Dorf zu einem Bioenergiedorf zu entwickeln. Wie war das?
Sorhage Der Landkreis Göttingen wollte weitere Bioenergiedörfer auf den Weg bringen und fördern – ich fand die Idee für unser Dorf prima. In der Tat waren aber erste Kommentare auf meinen Vorschlag ernüchternd. Dennoch entschieden wir im Gemeinderat: Wir versuchen es. Dann fanden sich auch andere Mitstreiter. Auch die Landwirte waren unserer Idee gegenüber aufgeschlossen. Schließlich überstanden wir die Vorauswahl und schafften es zum Schluss, eine der Machbarkeitsstudien zu ergattern.
Was braucht es dazu, wie haben Sie das gemacht?
Heine Das Projekt wurde nicht von Einzelnen, sondern von einer Gruppe von vielleicht 80 »Motoren« pro Dorf getragen. Die Kommunikation mit diesen Motoren und diese zu motivieren ist immens wichtig. Es gilt, deren Interesse zu wecken, die Menschen mitzunehmen und zu begeistern. Das Wissen und Können ist vielerorts vorhanden; es muss nur entdeckt und gebündelt werden. Dann entwickelt das eine eigene Dynamik.
Sorhage Rückblickend würde ich heute sagen: Entscheidend sind vor allem Integrationskraft sowie die Geduld, alle unterschiedlichen Meinungen aufzunehmen, und schließlich die Zeit, jedem Einzelnen die Richtung aufzuzeigen, in die es gehen kann. Die ganze Diskussion darf nie parteipolitisch geführt werden, sondern muss sachlich vernünftig sein. Schließlich müssen alle Meinungsbildner im Ort mitgenommen werden. Jeden potenziellen Wärmekunden und jeden Landwirt haben wir rund zwei Stunden besucht, um sie zum Mitmachen zu bewegen – am Ende ja erfolgreich.
Das heißt, Sie haben die Machbarkeitsstudie bekommen und dann sofort losgelegt?
Heine Nein, so war es sicher nicht. Die Machbarkeitsstudien legten die aktuellen Rohstoffpreise zugrunde, die 2007 ja sehr weit oben waren. Das war sehr ernüchternd. Weder für Krebeck noch für Wollbrandshausen hätte sich demnach die Umstellung auf Bioenergie gerechnet, die Projekte standen auf der Kippe. Wir standen in beiden Dörfern vor dem gleichen Dilemma und gingen das Problem fortan gemeinsam an – wir liegen ja nur drei Kilometer auseinander. Weil dann 2008 die Rohstoffpreise fielen und zudem auch die Baukosten sanken, passte es schließlich.
Sorhage Im Oktober 2008 gründeten wir die Genossenschaft, stellten den B-Plan auf und legten 2009 mit den Bauarbeiten los. Seit März 2010 wird Krebeck, seit Sommer 2010 Wollbrandshausen mit Nahwärme versorgt.
Herr Heine, Sie haben sich durch den Bau der Bioenergieanlage auch beruflich verändert und agieren einerseits als Geschäftsführer und Vorsitzender der Bioenergiegenossenschaft. Andererseits betreuen sie als Unternehmensberater jetzt auch andere Bioenergieprojekte. Wie lautet Ihr Fazit?
Heine Bei unserem Projekt sind von Beginn an viele Menschen mitgegangen, das ist zunächst eine gute Basis. Eventuelle Lücken kann man später immer noch durch Externe auffüllen. Aber es gibt so viel Wissen, so viele Experten in den Ortschaften, in den Dörfern steckt so viel Potenzial – sei es im Bereich der Technik, der Biogasbiologie, des Baus oder der Finanzen. Wenn dieses Potenzial geweckt wird, stehen die Chancen auf Umsetzung nicht schlecht.





