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Forscher arbeiten mit Nachdruck an Alternativen zu Mais.

Biomasse-Erträge in Tonnen Trockenmasse je Hektar


Sorghumhirse

Neben der Aufwertung des Landschaftsbildes leisten bewusst gepflanzte Wildpflanzen einen wichtigen Beitrag zum Arten- und Naturschutz.

Roggen kann als Winterroggen gut in Fruchtfolge eingesetzt werden.


Wildpflanzen bieten Bienen und andere Insekten zusätzliche Nahrungsquellen.

Viele Bundesländer fördern die Anlage von Blühstreifen wie hier in Kammerstein im Landkreis Roth (Bayern).



Mehr Vielfalt für die Energieäcker

Mais ist ein wenig in Verruf geraten. Durch die stetige Zunahme der Biogaserzeugung sprechen manche Bürger von einer »Vermaisung« der Landschaft. Dabei suchen Biogasbetreiber und auch Pflanzenzüchter schon lange nach neuen Kulturen. Sie sollen in Zukunft mehr Vielfalt auf die Energieäcker bringen.

Rüben etablieren sich zunehmend als Alternative zu Mais.

Grundsätzlich ist der Mais zwar eine hervorragende Pflanze, rein energetisch gesehen. Er bringt hohe Masseerträge pro Hektar und zudem lässt er sich gut vergären, was zu einer hohen Gasausbeute und damit zu hohen Energieerträgen führt. Aber die Artenvielfalt leidet unter seiner enormen Dominanz. Und Bürger klagen auch schon über die optischen Barrieren, die Maisäcker durch die Höhe der Pflanzen schaffen.

Doch der Mais ist nicht so unersetzlich, wie es mitunter scheinen mag, es gibt zunehmend attraktive Alternativen. Allerdings dringen sie erst langsam vor, weil die Biogasentwicklung noch jung ist und die Züchtung von neuen Pflanzensorten in der Regel acht bis 15 Jahre benötigt.

Rübe und Hirse

Viele alternative Kulturen sind daher erst noch im Entstehen – so zum Beispiel die Rübe, die aufgrund ihres hohen Gehaltes an Trockensubstanz und ihrer im Vergleich zum Mais sogar noch besseren Ausgasung in der Biogasanlage dessen Energieertrag gar überbieten kann. Aber die Züchtung ist bei der Rübe gegenüber dem Mais eben einige Jahre hinterher.

Die Züchtung der Rübe erfolgt mit dem Ziel, die Trockensubstanz zu maximieren; im Unterschied dazu schaut man bei der klassischen Rübe für die Zuckergewinnung vor allem auf die Saftqualität. Zudem ist bei der Energierübe eine glatte Schale ein wichtiger Aspekt. Denn anhaftender Sand stört in der Biogasanlage, weil er sich im Fermenter absetzt. Im Unterschied zu Zuckerfabriken, die über eine Waschstraße verfügen, ist eine solche in den normalerweise recht dezentral angesiedelten Biogasanlagen kaum praktikabel.

Eine weitere interessante Frucht ist die Sorghum- oder Zuckerhirse. Am Technologie- und Förderzentrum des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Straubing arbeitet man an Neuzüchtungen mit dem Ziel, die Trockensubstanz der Hirsepflanze für die Silageerzeugung zu erhöhen. Die Gattung aus der Familie der Süßgräser ist ursprünglich in Ostafrika zuhause und kommt folglich mit wenig Wasser aus. Sie nutzt die Nährstoffe sehr effizient und ist recht anspruchslos, was den Boden betrifft. An trockenen Standorten kann Zuckerhirse den Mais beim Energieertrag übertreffen, an feuchten ist der Mais besser.

So wird im Wettbewerb zwischen Mais und Zuckerhirse in Zukunft vor allem die jeweilige Standortqualität entscheiden. Denn Letztere braucht eine Bodentemperatur von mindestens 12 °C, um zu wachsen. Mais gibt sich bereits mit 8 °C zufrieden. Vor allem als Ergänzung in der Fruchtfolge ist Zuckerhirse eine attraktive Pflanze. Schlechte Erfahrungen der Biogasbauern mit Hirse basieren vor allem darauf, dass es bisher für die Kultivierung dieser Pflanze keine vernünftige Anleitung gab.

Tendenz zu kompletten Fruchtfolgen

Unter den heimischen Getreidearten ist es unterdessen vor allem der Roggen, der das Interesse der Pflanzenzüchter weckt. Denn er ist unter den hiesigen Körnersorten am wenigsten anspruchsvoll. Aber auch hier stehen die Entwicklungen noch am Anfang. Man hatte in der Vergangenheit immer nur die Qualität des Getreides im Auge. Erst in den letzten Jahren ist parallel die Gesamtpflanze für die energetische Nutzung ins Blickfeld gerückt.

So gibt es beispielsweise ein Selektionsprogramm zur Entwicklung eines Energieroggens für die Ganzpflanzensilage (GPS). Attraktiv ist der Roggen auch deshalb, weil er als Winterroggen gut in Fruchtfolge eingesetzt werden kann. Und vorteilhaft ist er zudem aus ökologischer Sicht, weil man ihm zur Erhöhung der Artenvielfalt auf den Äckern problemlos auch Leguminosen oder Wicken beimischen kann.

Ohnehin geht die Entwicklung in der Pflanzenzucht dahin, komplette Fruchtfolgen auch für die Biogaserzeugung anzubieten. Eine solche könnte zum Beispiel ein GPS-Roggen sein, der im Juni geerntet wird, dann folgt im selben Jahr noch Sorghum, anschließend wächst über den Winter ein Grünroggen, der bereits Anfang Mai zur Ernte ansteht, um dann wieder für den Mais oder die Rübe Platz zu machen.

Schön anzuschauen sind natürlich Sonnenblumen, doch ihr Potenzial in der Biogaserzeugung ist limitiert. Der Ertrag ist gedeckelt, da ist wenig Luft nach oben. Zudem sind die Sonnenblumen sehr wetterempfindlich und die ölige Silage schlecht lagerfähig, weil sie sich kaum verdichten lässt und nicht stapelbar ist. Als Umrandung eines Feldes kann die Sonnenblume allerdings sinnvoll sein: zur höheren Akzeptanz der Energiefelder durch die Anwohner und für Insekten oder Fledermäuse, aber nicht als Hauptkultur.

Energie aus Wildpflanzen

Ein weiterer »Hoffnungsträger« sind Wildpflanzenmischungen. Diese nämlich könnten durchaus gute Energieerträge bringen. Inzwischen liegen die ersten Ergebnisse des deutschlandweiten Versuchs »Energie aus Wildpflanzen« der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim vor: An drei verschiedenen Standorten in Deutschland wurde mit acht unterschiedlichen, mal ökonomisch, mal ökologisch ausgerichteten Saatgutmischungen experimentiert. Mitunter haben die Biomasseerträge sogar über jenen von Silomais gelegen. Eingesetzt wurden dabei Wildpflanzenmischungen aus Arten wie Rainfarn, Flockenblumen und verschiedenen Malven. Der Anbau lässt sich gut in die landwirtschaftliche Produktion integrieren und ist mit der herkömmlichen Technik zu meistern.

Bemerkenswert ist zudem der Nutzen für Vögel, Bienen & Co. Auf dem Fachsymposium »Energie aus Wildpflanzen« 2011 in Berlin erläuterten die LWG-Wissenschaftlerinnen Birgit Vollrath und Ingrid Illies den ökologischen und wirtschaftlichen Vorteil dieser Saatgutmischungen. Insbesondere an Ungunststandorten, auf erosionsgefährdeten Flächen, in Einzugsgebieten von Oberflächengewässern oder bei hoher Wildschadensgefährdung kommen die Stärken der Wildkräutermischungen zum Tragen.

Und sie haben noch zwei ganz besondere Pluspunkte: Erstens benötigen Wildkräuter keine Agrochemie. Und zweitens sind sie aufgrund ihrer Optik mit Sicherheit das beste Instrument, um Vorbehalte von Bürgern gegenüber dem Anbau von Energiepflanzen zu zerstreuen.

Farbe ins Feld
Durch die Auswahl verschiedener Energiepflanzen kann ein abwechslungsreicher Bewuchs auf den Feldern entstehen, der das Landschaftsbild bereichert und verschiedensten Tierarten als Nahrungs- und Rückzugsareal dient. Besonders Winterzwischenfrüchte oder Wildpflanzenmischungen sorgen dafür, dass auch in der kalten Jahreszeit alternative Lebensräume für Wildtiere zur Verfügung stehen. Darüber hinaus bieten vor allem Wildpflanzen oder Blühstreifen von Frühling bis Herbst zusätzliche Nahrungsquellen für Bienen und andere Insekten.

Um den Anbau von Blühstreifen und Wildpflanzen zu forcieren, hat der Fachverband Biogas e. V. im Jahr 2010 das Projekt »Farbe ins Feld« (FiF) ins Leben gerufen. Neben den ökologisch wertvollen Auswirkungen für die Tier- und Pflanzenwelt und der Vermeidung von Bodenerosionen verbessern derartige Maßnahmen den optischen Eindruck der Energiepflanzenfelder.

Eine weitere Maßnahme sind sogenannte Lerchenfenster: Ruhezonen speziell für Lerchen und andere Bodenbrüter. Innerhalb der Ackerfläche werden auf wenigen Quadratmetern keine Kulturpflanzen ausgesät und geerntet, damit die Vögel ungestört ihren Nachwuchs aufziehen können.

Mehr Informationen: www.farbe-ins-feld.de