Europäische Vorgaben
Die EU-Richtlinie für Erneuerbare Energien (RED) fordert von jedem Mitgliedstaat einen nationalen Plan zur Umsetzung der gemeinschaftlichen Ziele: Mindestens 20 Prozent des europäischen Energieverbrauchs soll bis zum Jahr 2020 aus regenerativen Quellen stammen. Den individuellen Beitrag und die Umsetzung der innerstaatlichen Pläne für den Strom-, Wärme- und Kältesektor sowie den Transportsektor mussten die einzelnen EU-Länder in den nationalen Aktionsplänen für Erneuerbare Energie (NREAP) dokumentieren. Die Wahl der regenerativen Quellen bleibt dabei jedem Land selbst überlassen. In der Regel machen Windenergie und Biomasse den Großteil der Erneuerbaren Energien aus.
Ausbauziele der EU-Länder
Der Europäische Biogasverband EBA hat die Ausbauziele für die Biogasnutzung bei der Stromerzeugung in den jeweiligen Ländern der Europäischen Union zusammengefasst: Italien will bis zum Referenzjahr 2020 beispielsweise 1.200 MW elektrische Leistung aus Biogas installiert haben, Großbritannien plant 1.100 und Polen 980 MW. Aber auch die Niederlande mit 639, Frankreich mit 625 und Tschechien mit 417 MW haben sich relativ ambitionierte Ziele gesetzt. Unangefochten an der Spitze dieses Szenarios bleibt Deutschland mit 3.796 MW.
Andere Länder haben Biogas hingegen so gut wie gar nicht für ihre regenerative Stromerzeugung eingeplant: Irland will gerade mal 62 MW elektrische Leistung installieren, Estland plant laut NREAP keine einzige Biogasanlage und Schweden 42, wobei in Schweden Biogas traditionell eher als Kraftstoff und weniger zur Stromerzeugung genutzt wird.
Enormes Potenzial
Betrachtet man allerdings die vom Deutsches BiomasseForschungsZentrum (DBFZ) errechneten Biomassepotenziale in den einzelnen Ländern, relativieren sich selbst die hochgesteckten Ziele Italiens und Großbritanniens: Nur die Niederlande würden mit rund 68 Prozent einen beachtlichen Teil ihres Potenzials energetisch nutzen, Italien und Großbritannien gerade noch 29 Prozent, Deutschland 25, Polen nur 19 und Frankreich weniger als fünf Prozent dessen, was theoretisch im Land zur Energieerzeugung zur Verfügung stände.
Insgesamt stehen nach Berechnungen der Europäischen Umweltagentur beziehungsweise von AEBIOM in Europa zwischen 170 und 235 Millionen Tonnen Öleinheit (Mtoe) Biomasse zur energetischen Verwertung zur Verfügung – ohne die Eigenversorgung mit Lebensmitteln einzuschränken. Das entspricht einer Leistung von rund 300.000 MW.
Biogas weltweit
Weltweit betrachtet zeigen vor allem Länder wie China, Kanada, die USA oder Brasilien großes Interesse an der Biogasnutzung. Allein China plant jährliche Investitionen von fünf bis sechs Milliarden Euro in den Neubau von Biogasanlagen. Deutsche Unternehmen sind schon heute auf allen fünf Kontinenten aktiv. Es gibt kaum ein Land, in dem eine Biogasanlage steht oder entsteht, bei der keine deutsche Biogastechnik eingesetzt wird. Viele Firmen haben bereits Tochterunternehmen im Ausland oder sind zumindest mit ihrem Know-how vor Ort vertreten. Aktuell liegt die Exportquote deutscher Biogasfirmen bei rund zehn Prozent. Dieser relativ niedrige Wert ist der großen Inlandsnachfrage in den vergangenen Jahren geschuldet. Das EEG 2012 wird diesen Inlandsboom voraussichtlich bremsen – was vielen Biogasfirmen die Möglichkeit eröffnet, den Exportmarkt stärker zu bedienen. Die Basis für eine kontinuierliche Weiterentwicklung und Effizienzsteigerung bleibt allerdings eine sichere und stabile Inlandsnachfrage.
Exportschlager EEG
Die Basis für den Auf- und Ausbau der Nutzung Erneuerbarer Energien bildet in jedem Land ein Vergütungssystem, das den Anlagenbetreibern ein gesichertes Einkommen über einen ausreichend langen Zeitraum garantiert und die Einspeisung von Strom aus Erneuerbaren Energien gegenüber fossilen Quellen den Vorrang einräumt. Diese Basis bildet in Deutschland das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Seit dessen Inkrafttreten im Jahr 2000 hat sich die Zahl der Biogasanlagen versiebenfacht und die installierte Leistung um den Faktor 40 erhöht. Mehr als 50 Staaten haben mittlerweile ein dem deutschen EEG vergleichbares Vergütungsmodell für Strom aus regenerativen Quellen eingeführt.









