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Josef Pellmeyer, Präsident des Fachverbandes Biogas e. V.


Ohne Biogas keine Energiewende

Grußwort des Präsidenten des Fachverbandes Biogas e. V.

Die Energiewende ist beschlossen. Nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima hat nun auch die Bundesregierung erkannt, dass die Atomkraft keine Zukunft hat. Stattdessen lautet die neue Vorgabe aus Berlin: 30 Prozent Strom und 14 Prozent Wärme aus regenerativen Quellen bis zum Jahr 2020. Bei aktuell 20 Prozent Strom und über zehn Prozent erneuerbarer Wärme ein überschaubares Ziel, aber immerhin der richtige Weg.

Wie genau dieser letztlich verlaufen wird, bleibt abzuwarten – und mitzugestalten! Dass es nicht ohne Biogas funktioniert, ist unbestritten. Strom aus Biogas ist sowohl grund- als auch spitzenlastfähig und kann bedarfsgerecht eingespeist werden. Dieses Potenzial gilt es stärker zu nutzen. Auch der Einsatz von Biogas als Kraftstoff und als Erdgas-Äquivalent ist ohne Frage ausbaufähig.

Mit dem Gasnetz stehen uns schon heute ein riesiger Energiespeicher und ein noch lange nicht ausgelastetes Verteilungsnetz zur Verfügung. Viele der aktuell drängenden Fragen der Energiewende – die Verteilung und Speicherung von Strom – lassen sich mit Biomethan lösen: Das aufbereitete Biogas wird am Ort der Entstehung ins Gasnetz eingespeist und je nach Bedarf an anderer Stelle dem Netz entnommen und durch Kraft-Wärme-Kopplung in Strom und Wärme umgewandelt oder als Kraftstoff getankt. Damit erübrigen sich neue Stromleitungen und große Speichervorrichtungen. Derzeit wird außerdem an der Möglichkeit geforscht, Solar- und Windenergie in Biomethan umzuwandeln – eine verheißungsvolle Option für die Zukunft!

Grundsätzlich hat die Bundesregierung die Vorteile der Biogaseinspeisung erkannt: Bis zum Jahr 2020 will sie sechs Prozent des Erdgasverbrauchs in Deutschland durch Biomethan ersetzen – aktuell ist es weniger als ein Prozent, erzeugt von gerade mal 60 Einspeiseanlagen bundesweit. Das EEG 2012 hat Ansätze, die den Ausbau der Biomethannutzung und die bedarfsgerechte Einspeisung unterstützen: Die höhere Vergütung für kleine Gaseinspeiseanlagen und die Flexibilitätsprämie könnten hierzu beitragen.

Doch das novellierte EEG beinhaltet leider auch viele neue Auflagen und Anforderungen an den Betrieb einer Biogasanlage – zum Beispiel die Verpflichtung, 60 Prozent der Wärme zu nutzen, um nicht die komplette Vergütung zu verlieren. Dieser Paragraf wird auch den Wärmeabnehmern nicht verborgen bleiben, die wissen, dass der Biogasanlagen-Betreiber künftig in einer Bringschuld ist, und entsprechend ihre Forderungen neu überdenken könnten. Und was passiert, wenn ein Wärmeabnehmer plötzlich wegbricht?! Für die Anlagenbetreiber steigt das Risiko, die Banken zögern mit der Kreditvergabe – und für die Firmen wachsen die Anforderungen an gute und sichere Anlagenkonzepte.

Grundsätzlich sind die Anlagenbauer auch mit dem EEG 2012 wieder einmal gefordert: Die neu eingeführte 75-kW-Grenze bietet kleineren, Vieh haltenden Betrieben eine gute Chance, in den Biogasmarkt einzusteigen. Eine Vergütung von 25 Cent pro Kilowattstunde bei mindestens 80 Prozent Gülleeinsatz könnte sich rechnen – sofern die Anlagenpreise nicht zu hoch sind. Hier müssen die Hersteller Module entwickeln, die bezahlbar bleiben.

Allerdings tragen weitere Vorgaben wie die vorgeschriebene Mindestverweilzeit von 150 Tagen oder Gasverbrauchseinrichtungen nicht gerade dazu bei, dass der Bau von Biogasanlagen künftig günstiger wird.

Das EEG 2012 wird den Biogas-Boom der letzten beiden Jahre mit Sicherheit ausbremsen. Für die Firmen ergibt sich damit vielleicht die Möglichkeit, den internationalen Markt stärker ins Visier zu nehmen. Inzwischen sind 21 Mitgliedstaaten der EU dem Beispiel Deutschlands gefolgt und haben Fördersysteme ähnlich dem EEG eingeführt. Weltweit sind es mehr als 50 Länder. Als Vorreiter und Marktführer in der Branche ist Biogas made in Germany noch immer heiß begehrt. Durch die starke Inlandsnachfrage in den letzten Jahren konnte der Exportmarkt nur am Rande bedient werden. Die Exportquote liegt aktuell bei rund zehn Prozent.

Diese Zahl wird im Laufe der nächsten Jahre sicherlich nach oben korrigiert. Wobei ein stabiler Inlandsmarkt die Basis für ein funktionierendes Exportgeschäft ist!

Die Weiterentwicklung findet im Inland statt. Denn auch wenn Biogas schon heute eine wichtige Säule im Energiemix der Zukunft ist: Es ist nach wie vor eine junge Technik mit viel Potenzial nach oben. Effizienzsteigerungen finden kontinuierlich statt, sei es bei den Rührwerken, den Blockheizkraftwerken oder der Gasausbeute. Neue Energiepflanzen werden erforscht und bestehende – wie zum Beispiel die Zuckerrübe – für den Einsatz in Biogasanlagen optimiert.

Die beste und kompakteste Übersicht über den aktuellen Stand der Entwicklung, die neuesten Produkte und Dienstleistungen und die Neuerungen im EEG bietet nach wie vor die Jahrestagung des Fachverbandes Biogas. Diese findet 2012 zum 21. Mal statt, erstmals in der Hansestadt Bremen. Unter dem Motto "Energiewende: Biogas kann’s" trifft sich die Branche, um sich über die weitere Entwicklung zu informieren und zu diskutieren.

Was das Jahr 2012 bringt, wird sich zeigen. Eins aber ist jetzt schon jetzt klar: Ohne Biogas keine Energiewende!

In diesem Sinne wünsche ich allen ein erfolgreiches Biogas-Jahr 2012.

Herzlichst Ihr Josef Pellmeyer